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Mit Einführung des Schillings am 1. Januar 1925 startete zugleich die moderne Erfolgsgeschichte österreichischer Silbergedenkmünzen. Sie dokumentieren seitdem das kulturelle Erbe der Alpenrepublik, angefangen bei den frühen Doppelschillingen bis hin zur heutigen Burgen-Serie mit 500-Schilling-Ausgaben. Nach Jahren der Inflation und Wirtschaftskrise führte die junge Republik Österreich im Jahr 1925 den Schilling als neue Währungseinheit ein: 10.000 alte Kronen entsprachen nun 1 Schilling, der selbst in 100 Groschen unterteilt war. Es war zugleich die Geburtsstunde moderner Silbergedenkmünzen Österreichs, die seitdem auf einzigartige Weise die Geschichte und Kultur des Landes widerspiegeln. Pioniere: Doppelschillinge Im dritten Jahr nach der Währungsreform erschien bereits die erste, in Silber geprägte Gedenkmünze zum 100. Todestag des Komponisten Franz Schubert. Es war der Auftakt einer zehnjährigen Reihe mit 2-Schilling-Ausgaben, die bedeutenden Persönlichkeiten gewidmet waren. Zum Beispiel erinnerte im Jahr 1931 eine Gedenkmünze an den 175. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791). Im Jahr darauf wurde ein weiterer weltberühmter Komponist, Joseph Haydn (1732–1809), mit seinem Porträt auf einem Doppelschilling geehrt. Zu numismatischen Ehren kamen auch namhafte Politiker wie Ignaz Seipel (1876–1932), österreichischer Bundeskanzler von 1922 bis 1926 sowie 1926 bis 1929. Die Wertseiten waren vom Design her einheitlich und zeigten die Wappen der neun Bundesländer, überragt vom Bindenschild. Zweite Reihe ab 1955 Die erste Silbergedenkmünze der zweiten Republik Österreich erschien 1955 zur Wiedereröffnung der Bundestheater. Sie zeigt eine Muse – griechische Schutzgöttin der Künste – mit Maske und Lyra, während im Hintergrund der Bühnenvorhang geöffnet wird. Auf der zweiten 25-Schilling-Ausgabe wurde im Jahr darauf erneut Wolfgang Amadeus Mozart geehrt. Als Motiv ist sein Denkmal im Wiener Burggarten abgebildet. Im Jahr 1957 folgte eine Silbermünze anlässlich des 800jährigen Jubiläums der Stadt Mariazell mit einer Darstellung ihrer Basilika, traditionelles Ziel von Pilgerströmen und Wallfahrern. Von Hofer bis Schubert Die Reihe mit 25-Schilling-Münzen lief noch bis 1973, bekam jedoch schon bald numismatische Konkurrenz durch die neuen 50-Schilling-Gedenkausgaben. Den Anfang machte die Münze von 1959 zu Ehren des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer (1767–1810). Unter seinem Porträt ist zusätzlich zum Prägejahr die Zahl 1809 zu sehen, in Anspielung auf den 150 Jahre zurückliegenden Sieg der Aufständischen am Berg Isel über die bayerischen Besatzer. Auf der Wertseite ist groß der Tiroler Adler abgebildet, umgeben von den Wappen der übrigen acht Bundesländer. Weitere interessante 50-Schilling-Silbermünzen folgten, zum Beispiel anlässlich der Olympischen Winterspiele in Innsbruck 1964 mit Skispringer-Motiv, oder die 1967er Ausgabe zum Thema „100 Jahre Donauwalzer“. Sie zeigt den Ausschnitt eines Denkmales von Johann Strauß jr., das 1923 im Wiener Stadtpark enthüllt wurde. Die vergoldete Bronzestatue stellt den Komponisten als geigenden Walzerkönig dar, stehend vor einem imaginären Orchester.
Die 50-Schilling-Reihe endete im Jahr 1978 mit einer Gedenkmünze zum 150. Todestag des Komponisten Franz Schubert. Doch legten die österreichischen Münzenmacher keineswegs eine kreative Schaffenspause ein. Im Gegenteil: Bereits drei Jahre zuvor war die erste 100-Schilling-Silbermünze erschienen und hatte erneut, wie schon die 50-Schilling-Ausgabe von 1967, das Johann-Strauss-Denkmal im Wiener Stadtpark als Vorlage. 100 Schilling seit 1975 Im Jahr 1975 wurde auf einer 100-Schilling-Ausgabe auch ein numismatisch bedeutsames Jubiläum gewürdigt: 50 Jahre Schillingwährung. Das lebendige Motiv stellt einen heftig gestikulierenden Sämann dar, der mit seinen Armen auf die Worte „Jahre“ und „Schilling“ deutet. In den beiden folgenden Jahren waren 100-Schilling-Silbermünzen unter anderem dem Wiener Burgtheater und der ehemaligen Prägestätte Hall in Tirol gewidmet. Das Burgtheater feierte 1976 sein 200jähriges Jubiläum, während die Haller Münzstätte im Jahr darauf auf ihren 500. Gründungstag zurückblicken konnte. Das Reiter-Motiv der Gedenkmünze ist nach einem zeitgenössischen Probetaler unter Herzog Sigismund (1427–1496) gestaltet, der 1477 die Münzstätte von Meran nach Hall verlegte und dort die ersten Großsilbermünzen namens Taler prägen ließ. Schicksale im Hause Habsburg Ab 1991 wurden 100-Schilling-Gedenkausgaben erstmals im Rahmen groß angelegter Münzenserien geprägt, zunächst zum Thema „1000 Jahre Ostarrîchi“, sowie ab 1997 als Teil der beliebten Serie „Schicksale im Hause Habsburg“. Den Auftakt machte hierbei die Silbermünze in Erinnerung an Erzherzog Ferdinand Maximilian (1832–1867). Sie zeigt, neben seinem Standbild, das Segelschiff S.M.S. „Novara“, mit dem er von seinem damaligen Wohnsitz, Schloss Miramare bei Triest, am 14. April 1864 zu seinem neuen Amt als Kaiser Maximilian von Mexiko in See gestochen war. Österreich im Wandel der Zeit Im vergangenen Jahr startete Österreich eine neue Serie mit 100-Schilling-Silbermünzen zum Thema „Österreich im Wandel der Zeit“. Die beiden 2000er Gedenkausgaben führten in großen historischen Schwüngen von den Kelten zu den Römern, während die erste diesjährige 100-Schilling-Silbermünze dem Heiligen Römischen Reich gewidmet ist. Sie zeigt ein Brustbild Kaiser Karls des Großen (742–814), der seinerzeit bereits – 1200 Jahre vor der heutigen Europäischen Union – große Teile Europas in seinem Herrschaftsgebiet vereinte.
Der Clou: Die Münzenserie wird ab 2002 mit Euro-Nennwerten weiter geführt! Von Malern zu Dirigenten In den folgenden beiden Jahren wurden berühmte Dirigenten der Wiener Philharmoniker auf 500-Schilling-Silbermünzen gewürdigt, zum Beispiel Herbert von Karajan (1908–1989) und Richard Strauss (1864–1949). Wie bei den malenden Vorgängern zieren auch bei den Musikern ihre Porträts die Vorderseiten. Auf den Rückseiten dagegen ist bei der Karajan-Münze das Salzburger Festspielhaus zu sehen, während die Strauss-Münze eine Szene aus der Oper „Der Rosenkavalier“ darstellt. Österreich und sein Volk Besonders kunstvoll gestaltet sind die ab 1993 geprägten 500-Schilling-Silbermünzen der Reihe „Österreich und sein Volk“, die den verschiedenen Regionen gewidmet sind. Zum Beispiel die erste Ausgabe „Seenregion“, die eine Fronleichnamsprozession auf dem Hallstatter See darstellt. Auz der Wertseite ist der gleichnamige Ort abgebildet, der vor allem durch seine sensationellen frühzeitlichen Funde bekannt geworden ist. Ansprechend und lebendig wirkt das Motiv der 1994er Silbermünze „Pannonische Region“ mit einer von Maiskolben umringten Volkstanzgruppe. Die Wertseite zeigt ein burgenländisches Bauernhaus in Apetlon am Neusiedler See, sowie einen Ziehbrunnen, Schilfgarben, Maisfelder und darüber einen fliegenden Silberreiher. Ab 1997 war die Münzenserie „Österreich und sein Volk“ unterschiedlichen kunsthandwerklichen Berufen gewidmet, um ab 1999 – wie bereits erwähnt – zu den Burgen-Motiven zu wechseln. Sammeltipp: 25 und 50 Schilling Wer sich angesichts der reichhaltigen Auswahl unter Silbermünzen Österreichs spezialisieren möchte, dem seien insbesondere die 25- und 50-Schilling-Gedenkmünzen empfohlen. Die einzelnen, in sich abgeschlossenen Kollektionen überraschen einerseits durch ihre Motivvielfalt und sind andererseits zugleich überschaubar. Sie bestehen aus jeweils knapp zwanzig Ausgaben, die sich zum Komplettieren anbieten. Glücklich die alten Hasen unter den Münzsammlerinnen und -sammlern, die am jeweiligen Erstausgabetag eine der ersten 25- und 50-Schilling-Silbermünzen ergattern konnten. Denn heute ist beispielsweise die Mozart-Münze von 1956 in Polierter Platte (höchste Prägequalität) laut Katalog 750 Mark wert, und der 50-Schilling-Pionier mit dem Porträt Andreas Hofers ist in Polierter Platte sogar mit 800 Mark katalogisiert.
